Mit der Schließung standen insgesamt 18 Bewohnerinnen und Bewohner vor der Herausforderung, ein neues Zuhause zu finden. Für viele bedeutete dies nicht weniger als einen tiefen Einschnitt: Der Verlust eines vertrauten Umfelds, das über Jahre hinweg Stabilität, Sicherheit und Vertrauen gegeben hatte. Auch das Fichtenhaus wurde in diesem Zusammenhang angefragt. Zunächst ging es um das Kennenlernen eines jungen Autisten. Dessen Eltern entschieden sich für eine wohnortnähere Lösung. Wenig später ergab sich jedoch eine andere Möglichkeit, die für alle Beteiligten besondere Bedeutung haben sollte.
Die Betreuerin eines langjährigen Bewohners der Pflegeoase mit Autismus-Spektrum-Störung wandte sich an das Fichtenhaus. Für den Mann stand viel auf dem Spiel: Nach 32 Jahren in der Einrichtung drohte ihm nicht nur der Verlust seines gewohnten Umfelds, sondern auch Überforderung in einer Förderstätte. Am 13. Mai kam es zu einem Vorgespräch. Nur zwei Tage später folgten ein intensiver Austausch und die Übermittlung relevanter Informationen durch die Pflegeoase. Die Aufnahme im Fichtenhaus erfolgte schließlich am 18. Mai – bemerkenswert schnell, unkompliziert und flexibel.
Üblicherweise ist in vergleichbaren Fällen eine etwa zweiwöchige Probewohnphase vorgesehen, um die „Kompatibilität“ innerhalb der Wohngruppe zu prüfen. Im vorliegenden Fall jedoch vertraute man auf die Erfahrung und Fachlichkeit des Teams. „Wir konnten uns auf den Bewohner einstellen – nicht er muss sich ändern, sondern wir arbeiten für und mit der Person. Unser Auftraggeber ist der Mensch“, erklärt Harald Pienle, Geschäftsführer des Fichtenhauses.
Das Konzept der Einrichtung basiert auf einem personenorientierten und personenzentrierten Ansatz. Die Mitarbeitenden sind speziell im Umgang mit komplexen Verhaltensweisen geschult. Ein tiefes Verständnis für individuelle Besonderheiten sowie ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen sind dabei unerlässlich. Ziel ist es, das Verhalten der Bewohnerinnen und Bewohner zu verstehen – nicht, es zu normieren.
Erschienen in der Unterallgäu Rundschau, 20.06.2026
Gemeinsam / Stark / Respekt / Unendlich / Zukunft – WIR





